Taschenlampenführung im November

oder 250 Meter mit Potential

Am Freitag dem 04.11. war es endlich soweit, der ehrenamtliche Heimatforscher Erik Schramm begrüßte zu seiner ersten geschichtlichen Nachtführung fast 30 Etzlebener von 8 bis 80 Jahren. Durch seine Recherchen der letzten zwei Jahre in Archiven, Kirchenblättern, Schülerarbeiten, auf Landrats- und in Standesämtern bekam Erik Schramm eine Fülle von Informationen die den kleinen Ort auf dem Spiegel der großen weltgeschichtlichen Themen abbildeten. Unterstützung fand er natürlich auch bei den älteren, schon über viele Generationen in Etzleben beheimateten Einwohnern, die mit ihrer Familien- und Hofgeschichte viele wichtige Details für das Gesamtbild der Dorfentwicklung einfügen konnten.  Begonnen mit der ersten urkundlichen Erwähnung, einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda aus dem Jahre 750 über den Siebenjährigen Krieg, wo 1757 die durch den Krieg schon schwer gebeutelten Einwohner von Etzleben 2000 Mann französisches Fußvolk und Reiter einquartieren und versorgen mussten (damals gab es keine 60 Haushalte in Etzleben), die in den Weltkriegen gefallenen Einwohner Etzlebens bis hin zum mutigen Handeln der Einwohner zur Rettung des Dorfes vor der Zerstörung durch die nahenden Amerikaner 1945 wurde durch Erik Schramm ein Bogen geschlagen.

Allein diese Geschichte und nachweisliche Einzelschicksale wären schon ein abendfüllendes Programm, aber es war ja eine Wanderung, und so ging es vom Denkmalsgarten in Richtung Unterdorf, vorbei an dem Gasthof Ruppe, an dessen Stammtischen schon vor 1902 Pläne geschmiedet, Politik diskutiert und das Leben gefeiert wurde und dem alten Lehrerhaus bis hin zum Vogtei- oder auch Riethof genannt Als Verwaltungsmittelpunkt der frondienstpflichtigen Bauern der Ländereien des Kosters Oldisleben war es einer drei großen Güter in Etzleben. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört und wieder aufgebaut, bewohnt und bewirtschaftete schon seit dem 18. Jahrhundert die Familie Fröbus dieses Anwesen. Vorbei an dem Freigut und hin zu dem als  Klostergut bekannten Hof der Familie Windrich, dessen Geschichte und Geschichten auch gern von Herr und Frau Windrich zum alljährlichen Flohmarkt bei einem Tässchen Kaffee und einem Stück selbstgebackenen Kuchen preisgegeben werden, erreichte der mit Taschenlampen und Laternen beleuchtete Zug der Neugierigen die 1670 auf den Grundmauern eines schon im 12 Jahrhundert erstellten Sakralbaues erbaute Kirche St. Laurentius auf dem ehemals höchsten Punkt am Ortsrand von Etzleben.

Mit den Ergänzungen der Mitglieder des Kirchenbeirates konnte Herr Schramm einen Überblick, gespickt mit zahlreichen Anekdoten über das Verschwinden eines Kronleuchters und dem plötzlichen Einbau von neuen Bleiglasfenstern zu DDR- Zeiten, Fensterflügeln, die direkt vor einer Mauern sitzen und vom Etzlebener Rutenmaß, dass als Streitschlichter mancher handfester Auseinandersetzung mit den Bücheler Ackerbesitzer bei einer Kirmes um 1825 beschlossen und begossen wurde, geben.

Nach fast zwei Stunden mit Erläuterungen, Gesprächen  und einer Wegstrecke von vielleicht 250 Meter waren doch alle Teilnehmer erstaunt wie viel Geschichte in einem so kleinen Dorf steckt und dass sie eigentlich  nur einen Bruchteil davon berühren konnten. Damit war es beschlossene Sache, dass es man es mit bei diesem einen Rundgang nicht belassen konnte. Die vielen Fragen nach anderen Gebäuden, Flurnamen und den Mühlen der Gemeinde muss bei einer weiteren abendlichen Dorfbegehung beantwortet werden. Dieses Muss übernimmt der engagierte Familienvater aber gern, weil er durch die Dankbarkeit, dem Sachverstand und das überwältigende Interesse der Teilnehmer auch eine Bestätigung für seine vielen Stunden der Recherche, der Entzifferung von Handschriften aus dem Althochdeutschen und der ungezählten Stunden die er in Archiven zugebracht hat, bekam.

Peter Keßler