Etzleben mit Automatisierten Externen Defibrillator (AED) gegen den plötzlichen Herztod gerüstet

 

Artikel K. Kämpfe

 

Jährlich sterben 100.000 Menschen in Deutschland am plötzlichen Herzstillstand. Im Vergleich dazu erscheint die Zahl von 7900 Straßenverkehrstoten doch verschwindend klein- doch durch Aufklärung und Prävention schwebt diese Gefahr im Hinterkopf jedes Verkehrsteilnehmers mit- oder wären Sie bereit, mehrmals täglich eine belebte Autobahn zu überqueren- das Risiko entspräche so in etwa dem des plötzlichen Herzstillstandes!

Wer gesund lebt ist gefeit gegen Krankheiten.

Dies ist nachweislich ganz richtig, aber gänzlich falsch in Bezug auf den plötzlichen Herztod. Die Überzeugungen, dass eher Männer davon betroffen sind, das Alter, Übergewicht, Rauchen, Cholesterin oder ein vorheriger Herzinfarkt eine Rolle spielt, sind von der Wirklichkeit eingeholt wurden.

Jedermann, unabhängig von Geschlecht, Alter und Risikofaktoren, meist ohne Vorankündigung, kann zu jeder Zeit, an jedem Ort eine Störung der Herzerregung bekommen und innerhalb weniger Minuten daran sterben.

Nach schon 8 Minuten ohne Hilfe reduziert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit auf  2%. Bei begonnener Reanimation und dem Einsatz des Automatisierten Externen Defibrillators liegt die Wahrscheinlichkeit des Überlebens der kritischen Situation bei bis zu 75%.

Der AED sendet einen elektrischen Schock durch das Herz, der den unkoordinierten Rhythmus unterbricht und die Wiederkehr des regulären Rhythmus und Puls, ähnlich dem Hochfahren eines Computers, ermöglicht.

Die Schockentscheidung fällt das Gerät allein nach seiner eigenen Analyse des EKG, der Retter braucht nur den Anweisungen zu folgen, die Elektroden zu kleben und den Schock auszulösen, nachdem er sich versichert hat, dass niemand den Verunglückten zum Zeitpunkt der Schockauslösung berührt.

Dies ist die einzige therapeutische Behandlung des plötzlichen Herzstillstandes.

Peter Keßler (DLRG OG Kyffhäuser e.V.),  bildet  seit 2007 Rettungsschwimmer, Ersthelfer und Schüler des Staatlichen Berufsbildungszentrums in Weimar im Umgang und Anwendung des Automatisierten Externen Defibrillators aus.

Während eines Urlaubs vor 4 Jahren im Freistaat Bayern fiel ihm auf, dass fast jedes Dorf und sei es auch noch so klein, über einen eigenen Defibrillator verfügte. Damit kann effizient die Wartezeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens überbrückt werden.

Leider stieß seine Idee, so einen Defi auch für Etzleben zu besorgen, nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Die hohen Kosten, die viel zu geringe Anwendung und die Zusatzkosten für die Wartung und die regelmäßig zu wechselnden Akku´s verschreckten Bürger und Gemeinderäte.

Seit letztem Jahr ist nun Peter Keßler Geräteverantwortlicher des „Zoll AED Plus“ des BBZ Weimar durch eine Herstellereinweisung  der ChiroMed Medizintechnik GmbH. Somit können durch ihn notwendige Tests und Kontrollen durchgeführt und die Batterien gewechselt werden.

Mitte September wurde nun im Vorbau der Straße des Friedens 24 ein komplett aus privaten Mitteln finanzierter Zoll AED Plus angebracht.

Zu ihm gehören das notwendige Hinweisschild und eine Notfallklingel, mit deren Hilfe jeder Einwohner Etzlebens Peter Keßler erreichen kann, oder wenigstens, bei seiner Abwesenheit, über Gisela Kämpfe das Gerät ausgehändigt bekommt.

Dies ist, und das muss ausdrücklich erwähnt werden, natürlich kein Grund, nicht sofort und zuerst die 112 zu wählen, aber da das Eintreffen des Rettungsdienstes einige Zeit dauert, ist es lebenswichtig, diese Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.

An sich sind für die Anwendung des AED keine Vorkenntnisse notwendig, aber die Angst, etwas falsch zu machen, verhindert oft die lebensrettende Hilfe.

Deshalb bietet die „IdeenSchmiede“  für alle Einwohner Etzlebens und interessierte Gäste am Sonnabend, dem 16.11.2019 im Dorfgemeinschaftshaus Etzleben eine zirka 1,5stündige Weiterbildung in der Anwendung des AED und in der für Etzleben modifizierten Rettungskette an.

Wer den Umgang mit dem Original-AED- Gerät erlernen möchte, oder andere Orte oder auch Firmen an der Einrichtung eines Rettungsstützpunktes mit AED interessiert sind, so können sie dieses Ausbildungsangebot ebenfalls nutzen oder sich direkt unter der Mailadresse dlrgkessler@yahoo.de mit dem Ausbildungsverantwortlichen in Verbindung setzen.

Natürlich  hoffen und wünschen wir allen Einwohnern von Etzleben, nie von diesen Gerät abhängig zu sein, aber wir denken, wir können durch das Gefühl: „Das Gerät ist nun da, vielleicht kann ich meinem geliebten Menschen, meinem Nachbarn oder dem Menschen, der gerade auf der Straße umgefallen ist und leblos da liegt, helfen am Leben zu bleiben“, etwas mehr Sicherheit zu vermitteln. Denn egal wie oft der AED verwendet wird   : „Wer einen Menschen rettet, der rettet die ganze Welt!“ (aus dem hebräischen Talmud)

K. Kämpfe