unsere Ddorfkirche St. Laurentius

Von dem ehemals höchsten Punkt des Ortes erhebt sich unverdrossen die Kirche zum Heiligen Laurentius. Errichtet am Rande von Etzleben, ist dies nach Reinhold Andert ein Beleg für die Gründung des Ortes weit vor der Christianisierung. St. Laurentius war der Diakon (heute würde man sagen Kassenwart) der römischen Gemeinde. Im Jahr 258 zu Zeiten der Christenverfolgung wurde Laurentius durch Kaiser Valerian zur Herausgabe des Kirchenschatzes aufgefordert. Laurentius verschenkte daraufhin sämtliches Vermögen und versammelte Krüppel, Blinde und Arme um sich, welche er dem Kaiser als wahren Schatz der Kirche präsentierte. Dafür zum Tode verurteilt wurde Laurentius am 10. August 258 (dem Laurentiustag) auf einem glühenden Rost hingerichtet. Später als Märtyrer geehrt , wird der heilige Laurentius heute mit einem Geldbeutel und einem Rost dargestellt. Einen wahren Aufschwung als Schutzheiliger und Namensgeber erhielt St. Laurentius, als Otto der I. genau am Laurentiustag 955 die in Mitteleuropa eingefallenen Ungarn besiegte. Insofern ein Indiz für den Bestand der Kirche oder einen Vorgängerbau bereits in diesem Jahr.

Ausgestattet mit einem massiven Turm von 34 Metern und dreigeschossigen Kirchenschiff wird sie auch heute noch durch die evangelische Gemeinde des Ortes zu Andachten und gelegentlich als Konzertsaal genutzt.

Entstanden ist die Kirche in drei Bauabschnitten. Reste des Vorgängerbaues aus dem 12. Jahrhundert sind noch heute im quadratischen Chorraum erhalten, welcher u.a. auch mit zwei Opfernischen (eine Innen und eine Außen) und einem steinernen Altartisch mit der Jahreszahl 1517 versehen ist.

Nach Zerstörung im dreißigjährigen Krieg im Jahr 1670 musste ein großer Teil der Kirche neu erbaut werden. Hierbei wurde das Kirchenschiff gen Westen erweitert und der bereits vorhandene Turmbau verändert, welcher sich als Besonderheit über dem Kirchenschiff erhebt.

Bereits 1750 wird die Orgel der Kirche erwähnt, welche 1827 in großen Teilen erneuert wurde. Erst 1938 wurde die Etzlebener Kirche an das Stromnetz angeschlossen. Für 1.750 Reichsmark wurden die Glocken mit einer Motorisierung und die Orgel mit einem elektrischen Gebläse versehen. Die für ihre Zeit modernen Signallämpchen der Motorsteuerung versehen auch heute noch ihren Dienst.

1846 wurde der Turm repariert und durch die Gemeinde im Jahr 1899 restauriert und neu verankert. Nach Blitzschlag im Jahr 1905 waren weitere Reparaturen an Turm und Kirche notwendig. Im Zuge dieser Arbeiten wurde der Turm mit einem mechanischem Uhr- und Stundengeläut versehen. Nach Ausscheiden des Kirchendieners in den 60igern rostete jedoch Uhrwerk und Zifferblatt vor sich hin. Erst das beherzte Handeln Etzlebener Bürger, hier sei Wolfgang Dille besonders genannt, rettete 1961 das Uhr- und Läutwerk vor dem Verfall, deren Mechanik so den Etzlebenern auch heute noch die Stunde schlagen kann.

1966 erfolgten weitere Reparaturarbeiten an der Kirche, in deren Zuge das Kreuz der Turmspitze durch einen Wetterhahn ersetzt wurde. Die hierbei aufgefundenen Unterlagen aus 1846 berichten von 380 Einwohnern und 78 Höfe und über ein Gewitter am 03. Juni 1825, welches den Turmknopf beschädigte und herunterwarf.

Ab 1637 erfolgten die Bestattungen auf den noch heute als Begräbnisstätte genutzten Gemeindefriedhof hinter der Kirche. Der Friedhof selber wurde zu Zeiten des Pfarrers Weck (1862 bis 1883) mit einer Bruchsteinmauer eingefasst.

Auf der Rückseite des Kirchenschiffes gen Süden ist die  Etzlebener halbe Rute mit zwei eingeschlagenen Sternen markiert, welche von 1825 bis 1885 als rechtsverbindliches Längenmaß in der Region genutzt wurde.

Ursprünglich war die Kirche mit Sitzplatzprivilegien, sogenannten Stühlen versehen, Für die Etzlebener Kirche sind drei Stühle überliefert.

Zum einen der an den Besitz des Klostergutes geknüpfte, heute noch als Loge auf der ersten Empore sichtbare, Mackrodtsche Stuhl und zum Anderen das an den Besitz des Vogteihofes geknüpfte Privileg an dem Platz "rechts vom unteren Eingang, am Ende der Weiberstühle auf der Feldseite Nr 17".

Ein weiterer Stuhl, der sogenannte Hauboldtsche Stuhl, befand sich unmittelbar über den heutigen Haupteingang der Kirche in einem Anbau, welcher bis zum Verzicht im Jahr 1932 an den Besitz des Freigutes geknüpft war.  Der Anbau besteht heute nicht mehr, lediglich Veränderungen im Mauerwerk und innenliegenden verblendete Fensterchen erinnern noch an diesen.